Landungsbrücken Frankfurt | Marie Schwesinger: Innere Sicherheit (2024)

Es ist der 2. August 2018, gegen mittags. Im 1. Frankfurter Polizeirevier setzt sich eine Person an einen Computer im Wachraum, öffnet eines der polizeilichen Auskunftssysteme und tippt in das Suchfeld einen Namen ein. 90 Minuten später geht bei einer Frankfurter Rechtsanwältin ein Drohschreiben ein, unterzeichnet mit den Worten „NSU 2.0“. Es wird das erste Drohschreiben von vielen sein, die sich gegen Politiker*innen, Jurist*innen, Journalist*innen und Künstler*innen richten – viele von ihnen Frauen oder migrantisch gelesene Personen. Welche inneren Verunsicherungen lösen diese menschenverachtenden Worte aus? Werden den Worten Taten folgen? Handelt es sich um einen Angriff auf die Demokratie?

 


Landungsbrücken Frankfurt | Wehrmann²: Ich – ein[e] Projekt[ion] (2024)

In der Mixed-Media-Performance-Installation Ich – ein[e] Projekt[ion] tauchen wir mit Real-time-Motion-Tracking in eine virtuell gestaltete Welt ein, die sich ganz der äußerlichen Wirkung verschrieben hat. In dieser Welt verlieren wir langsam den Bezug zu unseren Mitmenschen und unseren Wertvorstellungen: Hier vergessen wir nicht nur den Wert des Stoffes, den wir tragen oder der Metallteilchen im Akku des Telefons, sondern auch, wie man anderen Menschen vorurteilsfrei begegnet.


Stadttheater Gießen | Frankziska Autzen: Apokalypse Miau (2024)

Auf der Verleihung des großen Destroy-Preises soll sich der wunderbaren Welt des Theaters hingegeben werden, geladene Gäste sind unter anderen Legenden aus Schauspiel und Regie. Während auf der Bühne eine Gala der schönen Künste aufgefahren wird, hängen die Nominierten des Abends im Backstage am Büfett und schauen Champions League.


Stadttheater Gießen | Constantin Hochkeppel & Ensemble: Five Stages Of Grief (2023)

Leugnung – Wut – Verhandlung – Depression – Akzeptanz. Trauer (engl. grief) löst eine Welle an Emotionen aus, die Körper und Geist des einzelnen Menschen, sowie die Gefüge von Gemeinschaften erschüttern. Die fünf Phasen (engl. stages) der Trauer wörtlich nehmend, lädt der Abend an unterschiedlichen Orten im Großen Haus dazu ein, sich mit verschiedenen Zuständen und Aspekten vonTrauer auseinanderzusetzen.


Landungsbrücken Frankfurt | Bollocks (2023)

Nur ‘77 ist echt gewesen. Drei Akkorde für ein Halleluja. Damals klebte die Faust nicht auf der Straße. Sondern in der Fresse des Gegenübers. Früher war keine Zukunft. Ganz undogmatisch. Und heute, wo jetzt aber wirklich und tatsächlich keine Zukunft mehr in Sicht ist, da wird es dogmatisch. Und gut gelaunt immer schön die Problemlage reflektieren und die Wortwahl bedenken. Und Achtsamkeit. Achtsamkeit ist wichtig. Totalitär absolut. Der gestreckte Mittelfinger ist aber leider nicht achtsam. Auch innerlich nicht.


Stadttheater Gießen | Mathilde Lehmann: Kriegerin (2023)

Marisa ist rechtsradikal und voller Wut auf alle und alles um sich rum. Svenja versucht, ihrer bürgerlichen Erziehung zu entkommen und will sich Marisas Neonazi-Clique anschließen. Als Marisa in einer Übersprungshandlung eine Gewalttat an einem jugendlichen Asylbewerber verübt und sich ihr Gewissen meldet, kommt ihr Weltbild ins Wanken.


Landungsbrücken Frankfurt | Marie Schwesinger: Werwolfkommandos (2022)

Zwei Strafprozesse, die vor dem Staatschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main verhandelt wurden: der Prozess um die Ermordung Walter Lübckes und den rassistischen Angriff auf Ahmed I. sowie der Prozess gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A.

 

Aus mehreren Blickwinkeln wühlt sich ein chorisches Ich durch das dokumentarische Material und seine Erinnerungen – auf der Suche nach Antworten auf die Fragen: Welche sprachlichen Verbindungslinien gibt es zwischen den Prozessen? Wo erhalten Betroffene eine Stimme? Mit welcher Sprache begegnet man rechtem Terror im Gerichtssaal und auf der Bühne? Es geht um die Frage, wann gesprochen und wann geschwiegen wird, es geht um die Beanspruchung von Begrifflichkeiten und um die Deutungshoheit über die Diskurse.


METAhub Frankfurt | Ariel Ashbel: Bar Mitzvah'd at Forty (2022)

Der in Berlin lebende israelische Künstler Ariel Efraim Ashbel verwebt und konfrontiert in seiner Arbeit regelmäßig scheinbar unabhängige historische, politische, theoretische und popkulturelle Referenzen. Seit 2014 arbeitet Ashbel an einem Zyklus von Solo-Performances, in denen er sich Rituale und das soziale Zusammensein an jüdischen Feiertagen aneignet und die Traditionen dieser Anlässe auf ihre aktuelle Relevanz untersucht, Referenzen offenlegt und sie für einen persönlichen Zugang öffnet.

Die Bar Mizwa – der jüdische "Übergangsritus" oder Konfirmation – ist ein bedeutender Moment im Leben eines jüdischen Menschen. Es ist der Moment, in dem junge Menschen Teil der Gemeinschaft werden. Da er die Bar Mizwa in seiner Jugend nicht vollzogen hat, holt Ariel Efraim Ashbel diese vielleicht wichtigste jüdische Zeremonie heute nach – an seinem 40. Geburtstag im Sommer 2022.

 


Landungsbrücken Frankfurt | Kornelius Eich: Das Weiße Dorf (2022)

Ein Kreuzfahrtschiff auf dem Amazonas, an Deck begegnen sich Ruth und Jean wieder. Zwei junge, erfolgreiche Menschen, beide glücklich vergeben. Während sie an der Reling stehen und auf die vorbeiziehende Landschaft schauen, sprechen sie über die Karriere und den reibungslosen Service an Deck. Das feuchte Klima drückt, sie scherzen und ergehen sich in Lobreden über die gelungenen Lebensentwürfe.


Studio Naxos Frankfurt | Philipp Scholtysik: Die Perser (2021)

Das von Aischylos entworfene monumentale Panorama des antiken Kriegsgeschehens wird von einer Solistin berichtet und nachgestellt. Aus der Unmöglichkeit, der Perspektive der Feinde gerecht zu werden, und der Unmöglichkeit, als einzelne eine Schlacht darzustellen, ergibt sich eine spekulative, tastende Annäherung an den historischen Stoff und die Frage, wie Empathie über den Graben der Feindschaft hinweg möglich ist.


Landungsbrücken Frankfurt | Hannah Schassner: Niemand (2021)

Die eine und der andere. Der eine und die andere. Paradiesische Freiheit. Macht über Raum, Zeit und Licht: Die Möglichkeit, sich auszuleben, die Möglichkeit, zu gestalten, die Möglichkeit, sich gegenseitig zu erschaffen, die Möglichkeit, zu gehen. Niemand hat ihnen gesagt, wieso sie heute hier stehen, sprechen, ihr Innerstes nach Außen kehren und von ihrem Leben erzählen sollen.

Niemand schreibt ihnen diese paradiesische Menschheitsgeschichte, in die sie sich einfach selbst nur einschreiben müssen.


Studio Naxos Frankfurt | Kollektiv Widerhall: Der Rache nicht (2021)

en Ausgangspunkt des Audiowalks bilden die Biografien einiger vom NS-Regime verfolgter Frankfurter Künstler:innen, welche ab 1933 aus dem kulturellen Stadtleben verdrängt wurden. Die Fotografinnen Nini und Carry Hess betrieben am Börsenplatz eines der berühmtesten Fotoateliers der Weimarer Republik. Hans Erl und Magda Spiegel gehörten zu den Starsänger:innen der Frankfurter Oper, der Schauspieler Joachim Gottschalk glänzte am Schauspiel im Rollenfach des Jugendlichen Helden. Ihre Spuren verlieren sich in der fortschreitenden NS-Diktatur und wir begeben uns heute auf die Suche: Wie vollzog sich der Machtwechsel 1933 an den Frankfurter Theatern?


Schauspiel Frankfurt | Robert Borgmann: Gier/Crave (2024)

Vier Stimmen flüstern, durchdringen und verbinden sich. Auf dem Weg durch die Abgründe ihres zersplitterten Selbst, werden sie zusammengeführt von Verlangen, Verletzung und Verlust.


Schauspiel Frankfurt | Stefan Graf: Der Weg zum Glück (2020)

Ingrid Lausunds Miniaturdrama beschreibt mit tiefschwarzem Humor die existenzielle Einsamkeit des modernen Menschen und seine unsterbliche Hoffnung auf Erfüllung.


Künstler*innenhaus Mousonturm | Raumlabor Berlin & Barbara Ehnes: BAU (2020)

Das Team des Mousonturms erfüllt sich einen lang gehegten Traum: Statt an den sich ständig wandelnden Covid-19-Hygiene-auflagen für öffentliche Veranstaltungen zu verzweifeln, wird der Theatersaal radikal transformiert. Er wird Spielstätte und Begegnungsort für Künstler*innen und Zuschauer*innen in den kommenden sechs Monaten sein und dem aktuell herrschenden Primat der physischen Distanz und der cleanen glatten Oberflächen Intimität und materielle Wärme entgegensetzen, ohne die notwendigen Regeln zu ignorieren.


Künstler*innenhaus Mousonturm | Glokowski/Hoesch: The Matter Of Facts (2020)

Die in Zusammenarbeit mit dem Komponisten Diego Ramos Rodríguez entworfene Labor-Arena lädt das Publikum ein, sich um ein überdimensioniertes Klangobjekt zu versammeln, eine Konstruktion aus zwei Marimbas, einem Xylophon und einem Vibraphon mit 172 Tasten und einem Tonumfang von 5 Oktaven. Die Arbeit am Rhythmus als gemeinsames Ritual und Choreografie steht im Zentrum des Abends und eröffnet ein Kräftefeld aus Licht und konkreten Klängen. Die Bühne wird zu einem geteilten Ort, an dem alle ihre Sehnsucht nach Synchronizität neu überprüfen können.


Theater Oberhausen | Franziska Henschel: Einige Nachrichten an das All (2019)

Haben wir auf der Erde einen Auftrag oder sind wir alle Weltraumschrott? Um diese Frage lässt Wolfram Lotz seine skurrilen und verletzlichen Figuren kreisen, ratlos, melancholisch, sogar verzweifelt, aber mit unerschütterlichem Humor. In der Regie von Franziska Henschel wird daraus ein vielschichtiger und unterhaltsamer Abend zwischen Live-Hörspiel, Puppen- und Sprechtheater, Performance und Videokunst.

 


Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt | Nuno Ramos: Über die menschliche Natur (2019)

Im Jahr 1971 lädt das niederländische Fernsehen die charismatischen Starphilosophen Michel Foucault und Noam Chomsky zum TV-Duell. Gerahmt von aufklärerischem Vermittlungseifer verhandeln die Kontrahenten ihre Leitgedanken zum Wesen der „menschlichen Natur“: Welchen Einfluss kann der Mensch auf seine eigene Geschichte nehmen und kann individuelles Handeln zu politischen Änderungen führen?


Schauspiel Frankfurt | Kornelius Eich: Abschied von den Eltern (2018)

Im Dezember 1958 starb die Mutter von Peter Weiss und kurz darauf sein Vater. Und obwohl das Verhältnis zu beiden, besonders jedoch zur dominanten Mutter, von fortwährenden Auseinandersetzungen geprägt war, traf Weiss der Verlust der Eltern hart. Was folgte war eine schwere Depression, eine Lebenskrise, geprägt von Gefühlen des »Fremdseins« und der »Unzugehörigkeit«, welche schließlich zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich führte.


PACT Zollverein Essen | Xavier Le Roy: Temporary Title (2018)

›Temporary Title, 2015‹, ist eine von Xavier Le Roy als Ausstellung konzipierte Arbeit, die die Besucher*innen nach Belieben betreten und verlassen können. Performer*innen bilden Gruppen oder Versammlungen im Ausstellungsraum und komponieren dabei eine Landschaft in fortwährender Transformation. Ihre Präsenz oszilliert zwischen erkennbaren und nicht erkennbaren Erscheinungen, zwischen abstrakten und vertrauten Formen – skulptural, animalisch, mineralisch, pflanzlich, mechanisch – während sie sich von Zeit zu Zeit ihren Betrachter*innen nähern, um ein Gespräch zu beginnen.

 


studio Naxos | Carolin Millner: Rot oder Tot 3 (2018)

Die 70er: In diesem dritten Teil prallt der Aufschwung im Bauwesen auf die Ausbürgerung Wolf Biermanns und den darauffolgenden Künstler*innen-Exodus. Unter dem Slogan PALÄSTE FÜR DIE ARBEITERSCHAFT wurden im dritten Jahrzehnt der DDR zahlreiche Quartiere und teils ganze Städte aus dem Boden gehoben, darunter auch Halle-Neustadt, eine Stadt in der zu Spitzenzeiten über 90'000 Einwohner*innen lebten. Während Städte ausgebaut wurden, baute die DDR-Führung das Recht auf freie Meinungsäußerung ab. Zunehmende Repression waren die Folge, darunter auch die des Liedermachers Wolf Biermann. 

 


Impulstanz Wien | Holzinger/Lange/Machaz/Riebeek/Scheiwiller: Body + Freedom (2016)

Das Kollektiv Holzinger/Lange/Machaz/Riebeek/Scheiwiller ist für seine radikal körperlichen und zugleich stark ästhetisierten Arbeiten bekannt. In Anspielung auf das aus Pornografie und Journalismus geläufige Gonzo-Genre, in dem der Kameramann selbst Teil der Situation ist, starten sie den Versuch, das Publikum direkt in das Set-Geschehen hineinzuversetzen. Dort, direkt auf der Bühne, entblättern sich die Geheimnisse hinter der Performance. Während sich den Zuschauer_innen multiple Perspektiven auf die Handlungen der Akteure bieten, wird die Realität der Produktion offengelegt: Die Akteur_innen kommen ihren Beobachter_innen hier – im äußeren Rand der Gesellschaft des Spektakels ­– ganz nah.